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"Momo" nimmt Kindern Angst vor Hunden

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Renate Pilz und Therapiehündin Momo zu Besuch im Troher Kindergarten


TROHE - (lsm). Leichtfüßig, aber konzentriert läuft sie den Gang entlang, ihr freundlicher Blick scannt die Umgebung ab, während Vorfreude und Neugierde sich in ihren braunen Augen spiegeln. Um den Hals trägt sie ein rot-weißes Tuch, das sie als Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes kennzeichnet. Ein eindeutiges Zeichen: Therapiehündin Momo ist wieder im Einsatz. Mit dabei ist wie immer Frauchen Renate Pilz, die die fast zehnjährige Hündin bei ihrer Arbeit begleitet. Seit sechs Jahren sind die beiden Damen bereits zu Therapiezwecken unterwegs. Auch bei diesem Einsatz werden sie wieder fröhlich empfangen. "Das letzte Mal, als Sie da waren, waren die Kinder richtig begeistert", ruft die Leiterin der Troher Kindertagesstätte Mäuseland, Gabriele Bandt, den beiden zur Begrüßung zu.IMG 2222

In Vertrauensspielen mit Renate Pilz lernen die Troher Kindergartenkinder, dass von Momo keine Gefahr ausgeht. Die Hündin lässt sich gerne streicheln. Foto: Schwarz

Angst nehmen

Im Abstand von zwei bis drei Jahren kommen Frauchen und Hund regelmäßig, um an mehreren Terminen verschiedene Gruppen zu besuchen. Ziel soll es sein, unsicheren Kindern ihre Angst zu nehmen und über das richtige Verhalten im Umgang mit Hunden aufzuklären. "Ich finde das richtig wichtig", bekräftigt Gabriele Bandt. Auslöser für diese Termine sei unter anderem, dass manche Kinder bei Spaziergängen auf die Straße gesprungen seien, wenn hinter einem Hoftor ein Hund auftauchte.

Als Renate Pilz zu Beginn ihrer jüngsten Therapiestunde in die Runde fragt, wer Angst hat, kuscheln sich auch dieses Mal einige Kinder ängstlich an ihre Erzieherinnen oder beobachten die Lage skeptisch. Da haben sie mit Hündin Momo einiges gemein, denn auch sie krabbelt ihrer Bezugsperson zu Beginn der Stunde fast auf den Schoß.

Einige Minuten später haben sich Kinder und Hund sichtlich entspannt und das Programm beginnt. "Wir sprechen heute darüber, was ihr machen sollt oder nicht machen sollt, wenn ihr einen Hund seht", erklärt die Hundeführerin den Kindern. Zunächst aber darf jeder Momo einzeln begrüßen und dabei lernen, wie Leckerlis richtig und vor allem gefahrlos an einen Hund verfüttert werden. Dem folgt eine kleine Theoriestunde, in der die Kinder lernen, vor einem Hund nie wegzulaufen, oder dass sie Essen, das sie in der Hand halten, lieber schnell wegwerfen, bevor der Hund danach schnappt. Aber auch das richtige Streicheln will geübt sein, denn die Kinder sollen fremde Hunde nie ohne Erlaubnis anfassen oder sich ihnen von hinten nähern.

Kein Zerr-Spiel

Doch was tun, wenn ein Hund doch einmal in die eigene Kleidung beißt? Die Kinder wissen nun, dass sie in solchen Fällen nicht an ihrer Kleidung ziehen dürfen, um kein Zerr-Spiel zu eröffnen. Damit es gar nicht erst soweit kommt, übt Renate Pilz mit den Kindern auch, die Körpersprache eines Hundes zu deuten, um sich richtig verhalten zu können. Doch neben all dieser Theorie übernimmt auch Hündin Momo eine wichtige Aufgabe. In Vertrauensspielen mit ihr lernen die Kinder, dass von dieser Hündin keine Gefahr ausgeht. Sogar manch ein anfänglich ängstliches Kind lässt sich schließlich ein Leckerli direkt von der Stirn ablecken.

"Es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, wie die Kinder die Angst verlieren", freut sich Leiterin Gabriele Bandt. Was Momo kann, ist für einen Hund aber keinesfalls selbstverständlich. Dahinter steckt eine Ausbildung mit stundenlangem Training. "Der Hund muss auch mal vergessen können, dass er ein Hund ist", erklärt Renate Pilz. Große Lautstärke, hektische Menschenmengen oder unkontrollierte Bewegungen muss Momo aushalten. Aufgabe des Frauchens ist es dabei, auf die Hündin zu achten und sie in Schutz zu nehmen, bevor es ihr zu viel wird. "Wir sind ein Team, aber sie muss einen gewissen Prozentsatz an Stress aushalten können."

Quelle: Gießener Anzeiger  


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Quelle: Gießener Anzeiger